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Bankguthaben sind problematisch

Berge im Sonnenuntergang

Datum

Trotz der jüngsten Pleite der Greensill Bank AG bunkern die Deutschen ihr Vermögen am liebsten bei ihrer Bank. Dabei sind die Risiken mittlerweile drastisch gestiegen: Bankeinlagen kosten nicht nur Geld, sie bergen deutlich größere Gefahren. Deutschland ist in einigen Bereichen Weltmarktführer – leider auch bei den Bankguthaben privater Anleger, denn Grund zur Freude kann es deswegen nicht geben. Doch es gibt eine gute Alternative dazu.

Mrd. EuroAnteil (in %)
BankeinlagenEUR 2.495,–40%
LebensversicherungenEUR 1.907,–31%
Sonstige Anlagen*EUR 612,–10%
InvestmentfondsEUR 617,–10%
Aktien (Einzelwertpapiere)EUR 395,–6%
Anleihen (Einzelwertpapiere)EUR 151,–2%
GESAMTEUR 6.177,–100%
(Quelle: DZ Bank)
 * = Ansprüche aus betrieblicher Altersvorsorge, Zertifikate und andere Wertpapiere.

Mit rund 40 Prozent stehen die Bankeinlagen, dazu zählen neben den Guthaben auf Giro- und Sparkonten auch die Fest- und Tagesgelder, mit Abstand den größten Teil aus. Es folgen die einstigen Klassiker und längst zur Renditefalle gewordenen kapitalbildenden Lebensversicherungen mit 31 Prozent und sonstige Anlagen, die in diesem Fall Instrumente der betrieblichen Altersversorgung, Zertifikate sowie über Aktien oder Anleihen hinausgehende Wertpapiere umfassen. In dieser Erhebung fehlen die direkten Investments, beispielsweise Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen, Immobilien oder Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung und ähnlichen Versorgungswerken.

Aber warum investieren so viele Deutsche den überwiegenden Anteil ihres Vermögens in renditeschwache und nur scheinbar sichere Bankeinlagen bzw. Lebensversicherungen? Die Frage nach den Gründen ist deswegen durchaus berechtigt.

Bankguthaben: Risiken und Nebenwirkungen beachten

Guthaben bei der Bank sind nicht per se abzulehnen. Zwei Gründe können dieses Vorgehen durchaus rechtfertigen:

  1. Einlagen bis maximal 100.000 Euro pro Person und Bank
    Auch wenn diese Bankguthaben kaum verzinst werden und somit nach Steuern, Kosten und Inflation de facto Geld kosten, genießen Privatanleger dafür die vollumfängliche EU-Einlagensicherung – das lässt sich von keiner anderen Anlageform behaupten.
  2. Guthaben oberhalb dieser Grenze
    Diese sind nur dann akzeptabel, wenn die Einlagen nur für einen überschaubaren Zeitraum auf einem Konto zwischengeparkt werden, um sie beispielsweise in ein attraktiveres Asset investieren zu können.

Das war es, weitere triftige Gründe gibt es nicht. Und das ist nicht von ungefähr so:

Was ist eigentlich ein Bankguthaben?

Rein ökonomisch gesehen, handelt es sich um einen unbesicherten Kredit, den der Einleger seiner Bank einräumt. Ganz nüchtern betrachtet, ist der Schuldner, nämlich die Bank, hoch verschuldet. Der durchschnittliche Anteil an Fremdkapital eines Geldinstitutes liegt nämlich bei 92 Prozent – so viele Schulden türmen keine anderen Unternehmen auf, das würden schon deren Banken nicht zulassen. Umso wichtiger ist die staatliche Einlagensicherung bis zur Höhe von 100.000 Euro pro Person und Bank, denn darüber hinausgehende Guthaben genießen keineswegs einen derartigen Schutz.

Aber auch das sich daraus ergebende Klumpenrisiko ist nicht zu unterschätzen: Anleger konzentrieren sich meist auf eines oder wenige Geldinstitute. Von einer Diversifizierung, also einer Verteilung auf mehrere Banken und Volkswirtschaften, kann kaum die Rede sein, und das angesichts der Tatsache, dass sie keinerlei Sicherheiten für diesen Kredit erhalten.

Wie wahrscheinlich sind Bankenpleiten?

Leider wahrscheinlich: Allein in den letzten 50 Jahren, aber insgesamt auch in den letzten Jahrhunderten kam es immer wieder zu Bankenpleiten und daraus resultierenden systemischen Bankenkrisen. Dabei muss es nicht zwangsläufig einen aus der Wirtschaft bekannten Konkurs geben. In existenziellen wirtschaftlichen Notsituationen greifen neuerdings staatliche Stützungsmaßnahmen. Alternativ gab es Übernahmen durch einen Mitbewerber – oder eben die Insolvenz mit der zwangsläufigen Liquidierung. Was all diese Fälle gemeinsam haben: Kontoinhaber haben ganz reale Verluste erlitten oder mussten zumindest über einen langen Zeitraum um die Rückzahlung bangen. Aktionäre und Anleihegläubiger der jeweiligen Bank haben einen erheblichen Anteil ihres Investments verloren.

Hier einige Beispiele:

  • Ganz aktuell 2021 Greensill Bank AG
  • Von 2008 bis 2012 gingen sieben Prozent aller US-Banken pleite – das waren 465 Banken.
  • Von 2006 bis 2013 traf es über ein Dutzend deutsche Banken, darunter die Commerzbank, die Dresdner Bank und die Hypo Real Estate sowie einige Landesbanken.
  • 2008/2009 waren Banken in fast allen EU-Mitgliedsstatten betroffen, aber auch die Schweizer Banken UBS und Credit Suisse mussten existenzbedrohende Defizite hinnehmen.
  • Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis 2008/2009 gab es Bankenkrisen in den USA, Norwegen, Japan, Spanien, der Schweiz, Schweden und Großbritannien – um nur die größten Fälle zu erwähnen.
  • Die jüngsten deutschen Bankenpleiten waren die der Maple Bank (2016), des Bankhauses Wölbern (2016) und der Süddeutschen Aktienbank (2017).

Wie ist der Status quo in Europa?

Von einer echten Erholung des Bankensektors kann keine Rede sein – weder in Deutschland noch in Europa. Es fehlt ganz einfach am Eigenkapital und an den Zinseinnahmen, dafür befinden sich zu viele kritische Kredite in den Bilanzen. Da es sich um strukturelle Ursachen handelt, dürfte sich die Situation in den nächsten Jahren nicht verändern. Allein die Deutsche Bank, der deutsche Branchenprimus, musste einen radikalen Absturz der eigenen Aktie hinnehmen: Von Mai 2007 bis April 2021 verlor die Aktie knapp 90 Prozent. Gleichzeitig wurde die Bonität der Bank um fünf Stufen nach unten korrigiert – es ist also zweifelhaft, ob dieses einstige Vorzeige-Geldinstitut überhaupt überlebensfähig ist. Doch sollten sich Anleger nicht dem Irrglauben hingeben, eine kleine lokale Bank wäre eine sicherere Alternative. Bei dieser Annahme handelt es sich um reines Wunschdenken. Nur weil die Medien weniger über Kleinpleiten berichten, sind diese nicht weniger wahrscheinlich. Hat eine Bank kein Rating, dürfen Anleger davon ausgehen, dass es im Ernstfall ein schlechtes wäre.

Fakt ist: Anleger sollten sich auch nicht darauf verlassen, dass der Staat über die Einlagensicherung hinaus einspringen würde, sollte eine Bank bankrottgehen. Schon die Mittel dürften dafür nicht ausreichen, wenn eine systemische Bankenkrise um sich greifen sollte – einen Rechtsanspruch gibt es ohnehin nicht.

Wann hat sich die Situation für Bankguthaben so verschlechtert?

Ganz klar: Nicht erst im Jahr 2015, schon seit mehr als 100 Jahren ist auf diesem Wege kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass Privatanleger immer noch so beträchtliche Vermögen bei Banken bunkern und die Risiken entweder akzeptieren oder ausblenden. Aber warum?

Mögliche Gründe für Bankeinlagen

Fehlende Kenntnis und Bequemlichkeit

Wer befasst sich schon mit der Finanzhistorie? Andernfalls würde sich die enorme Serie von Bankenkrisen im Laufe der letzten Jahrhunderte auf das Anlegerverhalten auswirken. Und natürlich ist es mehr als bequem, das Geld einfach bei der Bank zu belassen. Das spart den Aufwand einer Recherche nach Alternativen – wird schon gut gehen.

Vorteile eines Fondsdepots sind unbekannt

Im Gegensatz zum herkömmlichen Bankguthaben, das als unbesicherter Kredit geführt wird, tritt eine Bank bei einem Wertpapierdepot nur als Verwahrstelle auf. Die kann auch bankrottgehen, allerdings betrifft das eben nicht die Wertpapiere, denn der Bestand im Depot fällt nicht in die Konkursmasse – im Gegensatz zum Bankguthaben: Das würde im Fall einer Insolvenz mitverwertet werden. Reicht die Konkursmasse nicht aus, haben einige oder alle Bankeinleger Verluste zu verkraften.

Bankguthaben vermeintlich sicher

Auch wenn der Kontoauszug einen Saldo zugunsten des Kontoinhabers ausweist: Das reicht nicht aus, um sich des Guthabens sicher zu sein. Im Falle einer Bankenpleite ist dieser Auszug nichts wert – zumindest für den Teil des Vermögens, der die geschützten 100.000 Euro pro Person und Bank übersteigt.

Anleihen bringen viel weniger ein

Hochwertige alternative Anlagen wie beispielsweise Anleihenfonds sind auch angesichts sehr geringer bis null nominaler Renditen lohnend. Nicht zu vergessen ist, dass Nullzinsen keineswegs neu sind und erst seit wenigen Jahren um sich greifen. Bankguthaben über 100.000 Euro pro Person und Bank können daher durchaus in derartige Assets investiert werden, um auf Nummer sicher zu gehen.

Fakt ist: Ohne Risiko keine Rendite – das war immer so und wird auch so bleiben. Schließlich sind Steuern, Kosten und Inflation immer zu berücksichtigen.

Staatsanleihen sind unsicher

Ob manipulierbares Papiergeld oder überschuldete Staaten – das Misstrauen vieler Privatanleger gegenüber Staatsanleihen fußt auf vielen Missverständnissen. Es gibt grundlegend keine Anlageform, die vollkommen ohne Risiken wäre. Fakt ist jedoch: Staatsanleihen der besten Ratingstufen und über kurze oder mittlere Laufzeiten gehören schlichtweg zu den sichersten Investments überhaupt – selbst den Vergleich zu Unternehmensanleihen oder Aktien, Immobilien, Gold oder auch Bankguthaben brauchen sie nicht zu scheuen.

Natürlich ist es schwierig zu kommunizieren, wenn die nominale Rendite qualitativ hochwertiger Geldmarktanlagen auf Wertpapierbasis unter null sinkt. Insofern können Tages- und Festgelder, die bei Banken in Staaten mit solider Bonität und innerhalb deren gesetzlicher Bankeneinlagensicherung vereinbart werden, durchaus eine Alternative sein. Aber: Eine ganze Reihe der ost- und südeuropäischen Mitgliedsstaaten der EU oder dort ansässigen Banken zählt eben nicht in diese Kategorie. Außerdem ist es mit einigem Aufwand verbunden, mehrere Kontoeröffnungen im Jahr zu realisieren – und natürlich auch die Schließungen. Für größere Vermögen dürfte das keine Lösung sein, hier sind stringente Anlagestrategien gefragt.

Fazit: Bankguthaben sind de facto auch nicht unbedingt sicher

In den letzten 200 Jahren gab es sie immer wieder, und die Wahrscheinlichkeit steigt derzeit: Bankenkrisen gehören zur Normalität in marktwirtschaftlich ausgerichteten Ländern, auch wenn sie relativ selten und vor allem unregelmäßig und schlecht vorhersehbar vorkommen. Auch in Deutschland lässt sich eine erneute Krise im Bankensektor nicht ausschließen – in Europa schon gar nicht. Rational denkende und informierte Anleger suchen daher für die Vermögen, die die per gesetzliche Einlagensicherung geschützten Bankeinlagen über 100.000 Euro pro Person und Bank übersteigen, eine sinnvolle Alternative – sofern das Geld nicht nur über einen kurzen Zeitraum zwischengeparkt werden soll. Selbst die negative Realverzinsung bei hochwertigen Anleihen sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hierbei tatsächlich um eine deutlich risikoärmere Geldanlage handelt.

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