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Mit Banken über Zinsen verhandeln – was geht und wo die Grenzen liegen

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Inzwischen befinden sich die Zinsen für Tages- oder Festgeld allerdings im freien Fall und liegen oft deutlich unter den Erträgen eines konventionellen Sparbuchs. Gemessen an der Inflation sind entsprechende Produkte langfristig ein Instrument zur Geldvernichtung. Anleger müssen sich von den Banken jedoch auch in diesem Sektor nicht alles bieten lassen. Übertriebene Hoffnungen im Hinblick auf die Konditionen des Vertrages sollten sich Bank-Kunden derzeit zwar generell nicht machen. Bei etwas Verhandlungsgeschick lassen sich die Folgen der Niedrigzinsphase jedoch oft spürbar mildern. 

Zinsen für Geldanlagen sind verhandelbar

Viele Filialbanken gehen davon aus, dass ihre Kunden „mangels Alternativen“ auch schlechte Konditionen akzeptieren. Besonders ausgeprägt ist diese Haltung mangels Wettbewerbern in ländlichen Regionen. Kunden, welche das Angebot der Banken nicht klaglos akzeptieren, sind jedoch häufig überrascht, welche Spielräume sich ihnen trotzdem bieten. Bank-Experten wissen, dass ein Institut, das einem „guten Kunden“ 0,25 Prozent Zinsen auf sein Festgeld bietet, auch ein Zinsniveau von einem Prozent akzeptiert, um mögliche Folgegeschäfte nicht zu verlieren. Kunden müssen lernen, dass die Konditionen der Banken nicht „in Stein gemeißelt“, sondern wie viele andere geschäftliche Transaktionen Verhandlungssache sind. Feilschen lohnt sich insbesondere dann, wenn Sparer  für ihre Vermögensbildung weder zu Aktien- und Fondsanlagen noch zu einer der meist attraktiveren Direkt-Banken im Internet wechseln, sondern ihrer Filialbank eigentlich die Treue halten möchten.

Informierte Kunden erhalten oft bessere Zinsen

Die erste und wichtigste Verhandlungsregel ist, dass Bankkunden den Vertrag nicht beim ersten Gespräch über die Geldanlage unterschreiben sollten. Ein Vergleich der Zinsen verschiedener Angebote auf dem Markt fördert oft positive Überraschungen zutage – und liefert Argumente für die Verhandlung mit der Bank. Wer direkt unterschreibt, hat sich bei Festgeld oder einem Sparvertrag in der Regel auf längere Zeit gebunden. Falls er nachträglich feststellt, dass sich die Zinsen unter Marktniveau bewegen, kann allenfalls auf die Kulanz der Banken hoffen. Ein gesetzliches Widerrufsrecht gibt es für solche Fälle nicht, falls es sich nicht um Verträge handelt, die nach dem Fernabsatz-Gesetz geschlossen wurden.

Einige Banken bieten jedoch von sich aus vertragliche Rücktrittsrechte an. Übersichten über die Zinssätze verschiedener Institute lassen sich im Internet mühelos beschaffen. Viele Bankberater lenken ein, wenn ihre Kunden sie mit den Tabellen konfrontieren und honorieren dies mit besseren Konditionen. Gleichzeitig haben die Banken bei ihren Sparprodukten jedoch oft einen geringeren Spielraum als bei Darlehen: Viele Deutsche parken ihr Geld auf dem Girokonto und sorgen damit für eine „ausufernde“ Liquidität der Banken, die dementsprechend nur ein begrenztes Interesse an der Akquise weiterer Geldeinlagen haben. Trotzdem sind die Banken auf gesunde Kundenbeziehungen angewiesen und können es sich nicht leisten, gute Kunden durch zu schlechte Konditionen zu verprellen. In festgefahrenen Verhandlungen kann der Hinweis auf einen geplanten Wechsel zu einer anderen Bank – inklusive Wertpapierdepot und Giro-Konto – in einem bestimmten Rahmen oft doch noch die gewünschten Zinsen oder eine lukrativere Produkt-Empfehlung bringen. Bei solchen Alternativ-Angeboten sollten Anleger allerdings besonders gründlich prüfen, ob Risiken, Zinsbindungsfristen sowie die Verfügbarkeit des Geldes tatsächlich ihren Vorstellungen entsprechen.

Viele Banken bieten ihren Kunden in einem solchen Fall entweder Wertpapieranlagen mit den entsprechenden Risiken oder Anlagekonten mit langer Laufzeit sowie im Jahresrhythmus steigenden Staffel-Zinsen an. Eine professionelle Anlageberatung kann die eigene Verhandlungsposition gegenüber den Banken erheblich steigern. Ein wirklich unabhängiger Honorarberater liefert dafür nicht nur umfassende Markt- und Wettbewerbsinformationen, sondern gleicht das gewünschte Anlagemodell und seine Konditionen auch mit den persönlichen Vermögensvoraussetzungen seiner Klienten sowie ihrer finanziellen Zukunftsplanung ab. Erst daraus lassen sich wirkliche Strategien für die Geldanlage entwickeln.

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