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Aktive Fondsmanager bei S&P auf dem Prüfstand

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Von Januar bis Juli 2022 müssen aktive Fondsmanager eingestehen, dass sie eine eher ernüchternde Performance hingelegt haben. In einer ausführlichen Analyse haben die Barometerbauer von S&P Dow Jones Indices klar belegt, dass eine Mehrheit der aktiven Vermögensverwalter klar hinter der Durchschnittsperformance ihrer Vergleichsindices hinterherhinkte. Für private Anleger ist die Botschaft der Studie eindeutig; aufgrund der geringeren Kosten und einer besseren Durchschnittsperformance ist es besser, sein Geld für die Altersversorgung in Indexfonds oder ETFs anzulegen. Aktiv gemanagte Fonds lohnen sich demnach nur für diejenigen, welche die geringe Chance auf eine Outperformance des Kapitalmarktes nutzen wollen.

Wie viele Fondsmanager konnten ihren Vergleichsindex nicht schlagen?

In einem sehr schwierigen Marktumfeld, geprägt vom Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, steigenden Energiepreisen, hoher Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit, konnten nur wenige aktiv gemanagte Aktienfonds wirklich überzeugen. Die sogenannte Underperformance-Quote beschreibt in diesem Artikel den Anteil der Fondsmanager, die schlechter als der Vergleichsindex abschnitten. Deutschlandaktienfonds zählten hierbei mit einem Anteil von 55 % – also mehr als der Hälfte aller Marktteilnehmer – noch zu den besseren Kandidaten. Bis Ende Juni konnten diese 55 % der aktiven Manager die Rendite ihrer Marktmesslatte S&P Germany BMI nicht erreichen. Im Vergleich zum erfolgreichen Börsenjahr 2021 ist dieser Wert allerdings nicht gut. Hier konnten nur rund 40 % der aktiven Fondsmanager die Performance ihres Vergleichsindexes nicht erreichen. Diese Tatsache legt den Verdacht nahe, dass die Leistung aktiver Manager – entgegen vieler Behauptungen – in einem schlechten Marktumfeld sogar noch weiter abnimmt, anstatt das ihnen anvertraute Vermögen zu sichern.

Der geringste Underperformance-Anteil aller Märkte war bei Portfolios mit Fokus auf polnische Aktien zu beobachten. In unserem Vergleichszeitraum konnten hier immerhin 68 % aller Fondsmanager den Index schlagen oder zumindest die gleiche Rendite erzielen. Lediglich 32 % blieben unter der Performance des Vergleichsindex. Im Durchschnitt waren es bei Aktien der Eurozone 58 Prozent, also etwas mehr als bei Deutschlandaktien. Besonders desaströs war das Ergebnis der Manager, wenn sie mit den Indices allgemeiner europäischer Aktien verglichen wurden. Hier schafften es ganze 84 % nicht, die Performance ihres zugrundeliegenden Vergleichsindex zu erreichen. Alle Ergebnisse wurden von S&P Dow Jones Indices zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen vergleicht halbjährlich die Performance aktiver Portfoliomanager mit denen ihrer hauseigenen Indices. Für den US-Markt begann S&P Dow Jones Indices damit schon 2002, Europa folgte im Jahr 2014.

Besonders schlechte Ergebnisse in Großbritannien

Fondsmanager, die auf britische Standardaktien setzten, erzielten im ersten Halbjahr 2022 ein desaströses Ergebnis. Mit einer Underperformance-Quote von satten 96 Prozent schaffte es fast kein Portfoliomanager, seinen zugrundeliegenden Vergleichsindex zu schlagen. Hier wird es besonders schwer zu argumentieren, warum private Anleger für ihre Vermögensverwaltung nicht einfach auf einen ETF auf britische Standardaktien setzen sollten. Wer sich auf die kleineren Nebenwerte Großbritanniens konzentriere, schnitt im Mittel deutlich besser ab. In dieser Kategorie erreichten nur 57 % der aktiven Manager nicht die Performance ihres Vergleichsindex. Die Quote lag hier also auf einem ähnlichen Niveau wie bei Deutschlandaktien. Ganz bitter wird es, wenn wir den Vergleichszeitraum auf zehn Jahre erweitern. Auf diese lange Sicht schnitten globale Aktienfonds, die auf Euro notiert sind, besonders schlecht ab. Den Vergleichsindex S&P Global 1200 konnten 98 % aller Manager über diesen langen Zeitraum nicht übertreffen. Dieses katastrophale Ergebnis legt nahe, dass es sich bei der Outperformance des Marktes mehr um einen Zufall handelt als um tatsächliche Managerleistungen. Einer der Haupttreiber für die schlechten Ergebnisse sind die kumulierten Kosten. Jedes Jahr müssen Anleger im Mittel zwei bis drei Prozent des Fondsvermögens zur Deckung der Managementkosten abgeben. Fast keinem Manager gelingt es, diese Kosten langfristig wieder reinzuholen, geschweige denn einen tatsächlichen Mehrwert für die Anleger zu bieten.

Die Ergebnisse sind deutlich schlechter als die vieler anderer Studien

Im Vergleich zu anderen Auswertungen schneiden die aktiven Fondsmanager bei der Betrachtung von S&P Dow Jones Indices besonders schlecht ab. Das liegt vor allem daran, dass das Unternehmen auch die Ergebnisse von liquidierten oder verschmolzenen Fonds berücksichtigt, um den sogenannten Survivorship Bias zu eliminieren. In vielen Studien werden nur die Ergebnisse der noch am Markt befindlichen Fonds berücksichtigt. Damit wird die Bewertung der Managementperformance systematisch zugunsten der Fondsmanager verzerrt, da die ausgeschiedenen oder liquidierten Fonds im Mittel natürlich deutlich schlechter abgeschnitten haben als die, welche den Betrachtungszeitraum überstanden haben.

Ein weiterer Grund dafür, dass Fondsmanager in der Betrachtung so schlecht wegkommen, ist die Tatsache, dass S&P Dow Jones Indices auf die hauseigenen Indices als Vergleichsmaßstab setzt, anstatt die im Fondsprospekt angegebene Benchmark zu nutzen. Im Fondsprospekt haben Investmentgesellschaften die Möglichkeit, durch geschickte Auswahl der Vergleichsindices den eigenen Fonds in ein besseres Licht zu rücken. Da es sich beim Fondsprospekt um Marketingmaterial handelt, ist davon auszugehen, dass viele Unternehmen diese Gelegenheit auch nutzen. S&P Dow Jones Indices nutzt deshalb seine eigenen Indizes als Barometer, da diese das Investmentuniversum der Fonds besser widerspiegeln als herkömmliche Vergleichsmaßstäbe.

In der Studie wurde nicht betrachtet, wie hoch die Underperformance im Mittel ausfällt. Dass ein Manager seine Benchmark nicht erreicht, kann für Sie als Privatanleger also bedeuten, dass Sie nicht nur ein paar Prozent Rendite verlieren, sondern möglicherweise sogar Vermögensverluste erleiden, wo ein Vergleichsindex im Mittel sogar eine positive Rendite hatte.

Wie sollten Sie als Anleger mit diesen Ergebnissen umgehen?

Die Aussage der Untersuchung ist für die Vermögensverwaltung eindeutig. Wer eine stabile Performance möchte, sollte eher den Markt kopieren, als auf das Ausnahmetalent der zwei Prozent der Fondsmanager zu setzen, die es auch über lange Zeiträume schafften, eine neutrale Benchmark zu schlagen. In den meisten Fällen sollten Sie als Privatanleger daher auf breit gestreute Anlageklassenfonds, Indexfonds oder ETFs mit einer möglichst geringen Kostenquote setzen und auf eine passende Aufteilung der Anlageklassen achten, um stabile Renditen zu erzielen.

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